Trauer um Prof. Dr. Gerhard Croll (1927–2019)

Die Gluck-Forschungsstelle für musikalisches Theater trauert um Prof. Dr. Gerhard Croll (25. Mai 1927 – 26. Oktober 2019), den Initiator und langjährigen Leiter der Forschungsstelle zu Christoph Willibald Gluck an der Universität Salzburg. Als Gründungsordinarius des Instituts für Musikwissenschaft hat er die Salzburger Musikwissenschaft bis zu seiner Emeritierung 1993 über Jahrzehnte maßgeblich geprägt und profiliert. Zu seinen zentralen Forschungsinteressen zählten – neben der Musik der Renaissance, dem Musiktheater des 17. und 18. Jahrhunderts, der Salzburger Musikgeschichte sowie Wolfgang A. Mozart – insbesondere das Leben und Œuvre Glucks: Als Editionsleiter der Gluck-Gesamtausgabe (1960–1990) setzte er das von seinem Lehrer Rudolf Gerber initiierte Langzeitvorhaben fort und legte zwischen 1958 und 2005 insgesamt sieben Notenbände vor, darunter die Musikdramen Iphigenie auf Tauris (1964), Iphigénie en Tauride (1973) und Alceste (italienische Fassung, 1988/2005). Bis zu seinem Tod gehörte er dem Herausgebergremium der Gluck-Gesamtausgabe an. Darüber befasste er sich in zahlreichen Vorträgen und Publikationen mit Glucks Leben und Werk vor dem Hintergrund der facettenreichen Musik- und Theaterkultur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Durch ihn konnten Gluck-Gesamtausgabe und Gluckforschung fest an der heutigen Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft etabliert werden, ab 1987 auch durch die Einrichtung einer eigenen Forschungsstelle zu Gluck, die bis 2009 von ihm geleitet wurde. Neben Wissenschaft und Forschung setzte sich Gerhard Croll mit großer Leidenschaft und persönlichem Engagement dafür ein, Glucks Musik zum Klingen zu bringen – sei es in Glucks Heimatgemeinde Berching, in der er sich große Verdienste um die Gluck-Pflege erwarb, sei es in seiner Eigenschaft als Mitbegründer und treibende Kraft der Gluck-Festspiele in der Heimatregion des Komponisten. Die gemeinsam mit seiner Frau Renate Croll verfasste Gluck-Biographie Gluck. Sein Leben – Seine Musik, erschienen zum Gluck-Jahr 2014 im Bärenreiter-Verlag, präsentiert die Ergebnisse jahrzehntelanger, ebenso akribischer wie leidenschaftlicher Forschungsarbeit und intensiven fachlichen Austausches nicht nur mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft, sondern auch der musikalischen Praxis. Zeit seines Lebens hat Gerhard Croll den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Theorie und Praxis favorisiert und durch langjährige Kontakte zu Musikerpersönlichkeiten wie Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs oder Diego Fasolis die Erkenntnisse der eigenen Forschungen in die musikalische Praxis getragen.

Die Gluck-Forschungsstelle für musikalisches Theater wird Gerhard Croll stets in respektvoller und dankbarer Erinnerung behalten.

Prof. Dr. Nils Grosch & Dr. Irene Brandenburg 

Neuerscheinung im "Archiv für Musikwissenschaft"

In der Zeitschrift Archiv für Musikwissenschaft 75/2 (2018) ist im Sommer 2018 ein Aufsatz von Ingeborg Zechner mit dem Titel Die Bedeutung der Gluck-Interpretin für das Opernrepertoire des 19. Jahrhunderts. Eine Neubewertung erschienen.